Depressive Erschöpfung
und
ihre Behandlung in der Habichtswaldklinik
Depressive
Erschöpfung: Dieser Anfall von Schwäche, lähmender Angst, Gereiztheit, grauer
Lustlosigkeit, Melancholie, Lethargie, Desinteresse und bleierner Müdigkeit,
ist ein unangenehmer Zustand, vielen bekannt, in dem Jugendliche sich oft
vorübergehend befinden und in dem viele Menschen wieder in Ihrer Lebensmitte
(und um die soll es hier gehen) nach tätigen und engagierten Jahren zunehmend
und scheinbar ausweglos sich gefangen fühlen. Auch der allerschönste Urlaub
hilft nur kurz oder wenig. Warum? Ist denn
die Quelle der Lebenskraft für immer versiegt? Der Schritt in die Frührente
unvermeidbar? Wo ist die lange verlangte Weisheit des Alters, die Entspanntheit
der gewonnenen Erfahrung, die seelische Freiheit der wohlverdienten Sicherheit?
Wodurch entsteht dieser unproduktive Aspekt der „Midlife crises“? Und wie können
wir dieser
depressive
n
Erschöpfung am besten therapeutisch begegnen? Während
Heranwachsende Angst vor der bevorstehenden Erwachsenenwelt haben können, in
der sie noch keinen befriedigenden Platz für sich geschaffen haben, und
vielleicht nie schaffen werden, entdecken langsam manche „gereifte“
Erwachsene, dass trotz ihres lebenslangen Strebens und sporadischen Erfolgs auch
sie kein befriedigendes Leben erworben haben und wahrscheinlich nie erwerben
werden. Die Welt ist fremd geblieben. Sie hat ihre Versprechen nicht gehalten. Dazu kommt,
dass mit den Jahren die vitalen Kräfte nachlassen und in ihrer Ebbe nun
unerbittlich die alten Enttäuschungen und Verletzungen auftauchen, die
ungelösten inneren Konflikte, die unterbewussten Felsen der Seele, die die Flut
des Lebens bisher verborgen hatte. Dem mühsam erbauten „Ich“ droht
Schiffbruch. Hier fängt das
„Trauerspiel“ an, der Fall in die depressive Erschöpfung. Diese
verborgenen Konflikte zwischen Ebenen und Seiten des Selbst, unerträgliche
Erinnerungen, verbotene Wünsche, gewaltsame Impulse sowie auch die beharrliche
Verneinung der Begrenztheit des äußeren Lebens, und die frustrierenden
Widersprüchlichkeiten und Widrigkeiten des Alltages werden zunehmend
schmerzvoll erlebt, immer weniger gelindert durch jugendliche Lebenslust, immer
mehr beunruhigend und kräftezehrend. Verzweiflung
wächst. Das psychische Immunsystem zerbricht. Zudem finden
die Konflikte oft ihren schmerzhaften Ausdruck im alternden Körper. Das Wie, Wo
und Wann dieser psychosomatischen Symptome hängt nicht nur von der Natur des
inneren und äußeren Stresses ab, sondern auch von der Geschichte und
Geographie des Körpers. Ein komplexes Gebiet. Kurz
gesagt, das Verdrängte lässt sich nicht mehr überspielen und ignorieren. Ein Fluchtweg
daraus ist Selbstbetäubung, ein unbewusster „Mini-Suizid“, der sich als
Depression,
hier als depressive Erschöpfung manifestiert. Dieser
Fluchtweg der Betäubung ist nun kein beglückender Ausweg. Und nur dann, wenn
das Verdrängte tiefliegende, traumatische Narben hinterlassen hat, oder die
Gegenwart unerträglich und unvermeidbar ist, ist dies als bestmöglicher Ausweg
für den Moment zu respektieren. Der Weg ins Leben zurück ist behutsame Konfrontation mit dem verinnerlichten Schmerz, den Unstimmigkeiten und Ängsten, ihre Akzeptanz und teilweise Auflösung, und ihre Transzendenz in existentieller Freude, einfache Daseinsfreude und breite Verbundenheit. Oft ein längerer Weg. Ein im Sinne unseres Verständnisses von Ganzheit (Heilung) notwendiger Weg. Und ein Weg,
der vielfach schon in der Abfolge einer zweistündigen
Tiefenatmungssitzung zu beobachten ist. Das heißt, nach einer Welle des
Durchlebens von tiefem Schmerz oder Zorn folgt oft ein Gefühl des Friedens und
Eins-Seins mit sich und der Welt. Auch wenn dieser beglückende Zustand sich
nicht ohne weiteres Zutun halten lässt, gibt er doch einen Blick auf den Sinn
dieses Weges und mach Mut. Und so
verstehen wir unseren therapeutischen Auftrag: Das Aufwachen aus der depressiven
Betäubung zu ermutigen, die zitternde Freude des Herzens ebenso zu empfangen
und zu schützen wie den aufbrechenden Schmerz, einer tieferen Selbsttreue aus
dem eigenen Sein heraus zu begegnen, die Entdeckung neuer wie alter Ressourcen
zu unterstützen und den subtilen Weg zu Transzendenz und innerer Freiheit zu
begleiten. Diese vielseitige Arbeit, die unter Einbeziehung der dunklen Aspekte der Seele auf Ganzheit wirkt, wird in der Habichtswaldklinik neben den therapeutischen Angeboten wie Gruppen- und Einzeltherapie und nach Indikation Tiefenatmung, Ausdrucksmalen und/oder Körpertherapie unterstützt von Entspannungsverfahren wie Thai Chi oder Yoga, die in den östlichen Weisheitstraditionen ihren festen Platz im Verständnis von Gesundheit, gesehen als harmonisches Zusammenspiel der Kräfte von Körper, Geist und Seele, haben. Sie zielen darauf ab, im Menschen den freien Fluss essentieller Lebensenergie wieder herzustellen und zu stärken. Gerade für depressiv erschöpfte Menschen ein oft erhellender Weg des Zuganges zum verschütteten Quell. Auf medizinischer Ebene bieten wir dafür u.a. Akupunktur und traditionelle chinesische Medizin an. Morgendliche
Meditation, Mantrensingen, Kreistanzen als freie Angebote bieten Räume, sowohl
mit sich allein, als auch in Gesellschaft zu sein. Deshalb kann
für depressive Erschöpfte ein Aufenthalt in unserer Klinik so wichtig und
ermutigend sein. Nicht nur das breite Angebot der Einladungen ins Leben hinein,
nicht nur die vielfältigen therapeutischen Behandlungen, die Körper, Geist und
Seele gleichermaßen ansprechen wirken heilsam und stärkend, sondern auch, und
das wird oft von den abreisende PatientInnen erwähnt, die offene und
teilnehmende Gemeinschaft von MitpatientInnen, vor denen man sich nicht schämen
und verstecken muss. Denn der
depressive Mensch fühlt sich oft zutiefst alleine, auch wenn er unter Menschen
ist. Er fühlt seinen Zustand als Versagen: Sich selbst zuwider, versteckt er
seine Trägheit, seine ewigen Selbstzweifel und Melancholie in innerem Rückzug,
voll Scham und Scheu. Vielleicht hinter einer sozial akzeptablen Maske, aber
doch allein. Immer mehr allein, immer weniger lebenstüchtig. Diese heilsame
Offenheit untereinander ist zuerst in den therapeutischen Gruppen hervorgerufen
durch das teilnehmende und befreiende Erleben tieferer Selbstannahme im anderen
wie auch in der eigenen Person, aber sie schwappt von dort über in den
klinischen Alltag und ist in den Augen mancher PatientInnen ein ganz
wesentlicher Faktor zu ihrer Gesundung aus
depressive
r Erschöpfung. Endlich,
im tagtäglichen Umgang müssen Menschen sich nicht mehr krampfhaft verstecken
vor anderen und vor sich selbst, sich nicht mehr betäuben. Ihr Schmerz ist
selbstverständlich, ihr Weg den anderen vertraut. Bewusste Schritte ins Leben
hinein werden unterstützt und heraufgefordert durch Gespräche ebenso wie durch
gemeinsame Unternehmungen. Dafür bieten sich außerhalb des Hauses ausgedehnte
Spaziergänge im wunderschönen Bergparkgelände genauso an, wie die Besuche der
dem Haus zugehörigen
Therme. Ein abschließender Aspekt: Depressive Erschöpfung kann auch als plötzliche, überraschend auftauchende Ermüdung auftreten und genauso schnell verschwinden, eine Flucht vor ganz spezifischen Umständen, die bestimmte Konflikte hervorrufen. Auch diese Form kann sehr störend sein, sowohl für das Berufs- als auch für das Privatleben. Die Vielfältigkeit des Kliniklebens gibt Gelegenheit diese Trigger zu erforschen, eine Gelegenheit, die oft bei ambulanter Einzeltherapie fehlt.
Mit den besten
Wünschen für Ihre Gesundheit
Zur Klärung weiterer medizinischer Fragen und Behandlungs- bzw. Therapiemöglichkeiten steht Ihnen unsere Chefärztin im persönlichen Gespräch gerne zur Verfügung. Bitte vereinbaren Sie zuvor einen Termin in unserer Privatambulanz.
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