Burnout (Teil 1)
was ist das, was kann man tun?
Burnout
-
Patienten lernen in der Habichtswaldklinik, Immer
häufiger ist von Burnout die Rede. Viele Menschen fühlen sich davon
betroffen, ohne vielleicht genau sagen zu können warum und was sie mit Burnout
meinen. Was
ist
Burnout? Den
Begriff Burnout prägte der New Yorker Psychoanalytiker Herbert Freudenberger
schon in den siebziger Jahren. Seitdem beschäftigen sich Psychologen wie
Mediziner intensiv mit diesem Phänomen. Burnout beschreibt einen Zustand, in
dem nichts mehr geht, die Betroffenen sich "ausgebrannt" fühlen. Sie
leiden unter körperlicher und seelischer Erschöpfung. Burnout ist ein
Zustand, der sich nicht schlagartig, sondern schleichend einstellt, meist als
Folge einer längeren Überforderung. Viele
Symptome werden unter Burnout
zusammengefaßt: psychosomatische Beschwerden wie Schlafstörungen, Herzprobleme
oder
Tinnitus. Oft
kommen Missbrauch von Alkohol, Medikamenten oder Genussmitteln hinzu. Im
schlimmsten Fall kommt es zum völligen Zusammenbruch, zu schweren Depressionen,
zu Selbstmordgedanken. An
einem Beispiel möchte ich verdeutlichen, wie Burnout sich anfühlt, zu welchen
Folgen Burnout führen kann.
Beispiel
eines Betroffenen: Irgendwann
kann er nicht mehr. Wenn er von der Arbeit nach Hause kommt, weint er nur noch.
Abends beim Einschlafen, morgens beim Aufwachen. Dazwischen träumt er von
seinen Akten. Vor Stress fallen ihm die Haare aus. Endlich rafft er sich auf und
gesteht sich ein, dass es so nicht mehr weitergehen kann. Er sagt den Kollegen,
ich fahr in Kur, stellt euch drauf ein, dass ich länger weg bin. Warum, sagt er
nicht. Schwäche zeigen ist nicht seine Stärke. Der 35-Jährige ist Richter in
einer kleinen Stadt in Süddeutschland. Er leidet unter dem Burnout -Syndrom. Der
Richter hört rechtzeitig auf den Rat seiner Schwester und lässt sich in eine
Klinik einweisen. In Deutschland haben sich mehrere auf Burnout -Patienten
spezialisiert. Er entscheidet sich für die Habichtswald-Klinik in Kassel. Zu
den Schwerpunkten gehören dort erlebnis- und körperorientierte Verfahren,
beispielsweise Rollenspiele, Körperübungen und Kunsttherapie wie das
Ausdrucksmalen. Die Betten in der psychosomatischen Abteilung sind meist belegt,
viele kommen mit dem zunehmenden Druck in der Arbeitswelt nicht mehr zurecht. Der
35-Jährige mit dem jungenhaften Gesicht und den wachen Augen hat eine rasante
Karriere hinter sich. In kürzester Zeit absolviert er sein Jurastudium, bekommt
danach gleich eine Stelle. Obwohl "blutiger Anfänger", ist er bald
"für alles zuständig": Adoptivsachen, Scheidungssachen,
Abschiebehaft. Er liebt seinen Beruf, macht ihn "mit Leib und Seele".
Immer ist er perfekt vorbereitet. Er arbeitet rund um die Uhr, verzichtet auf
Urlaub. "Ich bin sehr belastbar", sagt er, "mein Anspruch war es
immer, alles zu schaffen, egal, wie viel es ist." Als
in seinem neuen Dezernat eine Stelle ersatzlos gestrichen wird, sind die
Aktenberge eigentlich nicht mehr zu bewältigen. Statt 600 müssen pro Jahr
jetzt über 1000 Akten bearbeitet werden. Er will es trotzdem schaffen, so wie
immer. Ordnet sein Privatleben der Arbeit unter: lässt seinen Urlaub verfallen,
nimmt nur im Sommer ein paar Tage frei. Bearbeitet da die Akten, die er im Büro
nicht schafft. Seine Freundin muss dreimal alleine in den Urlaub fahren, sie
streiten sich deshalb. Kino, Theater, Reiten, Surfen, Tennis - für nichts
findet er mehr Zeit, auf nichts freut er sich mehr.
"Ich
hetze von Entspannung zu Entspannung"
Abends
nach dem Essen kommen die Akten auf den Tisch. Für ein Buch oder einen Film hat
er nicht die Ruhe, "in der Zeit könnte ich doch auch arbeiten".
Zweimal geht er zum Direktor, sagt, es sei nicht mehr zu schaffen. Vor einer
schriftlichen Überlastungsanzeige, wie in solchen Fällen üblich, scheut er
sich. Krank sei er in den sechs Jahren trotzdem nie geworden, erzählt der
Richter. Zumindest hat er sich nicht krank gemeldet. "Ich bin ein Typ, der
auch mit Fieber verhandelt." Nur an Wochenenden oder zu Weihnachten ist das
Fieber manchmal stärker, wenn er weiß, dass er im Büro nicht ausfällt.
"Setz dich doch einfach mal hin und entspann dich", sagt die Freundin
immer wieder. Aber er kann nicht. Auch
nicht in den ersten Wochen in der Habichtswald-Klinik. Das Büro geht ihm nicht
aus dem Kopf. Und dann der neue Terminkalender. "Ich hetze von einer
Entspannung zur nächsten", sagt er und lacht zum ersten Mal. Rückenmassage,
Körperstrukturgruppe, Tai Chi und Tiefenatmung - er hat sich so viele Termine
aufgeladen, dass er nur an den Wochenenden zum Ausruhen kommt. Wieder hat er
maximale Ansprüche an sich, "man will ja auch was für sich
erreichen". Er muss sich "unter Druck setzen, sich nicht unter Druck
zu setzen". Dies ist eine Haltung, die ich von vielen unserer Patienten kenne. Behandlung
von Burnout: Ziel
der stationären Behandlung von Burnout in der Habichtswaldklinik ist es, die
Menschen vorübergehend aus ihren Alltagspflichten herauszuholen, um ihnen Zeit
und Raum zu geben, zu sich selbst zu finden. Die Habichtswaldklinik steht für
einen ganzheitlichen Ansatz, die Trennung zwischen Schulmedizin und alternativer
Medizin ist hier aufgehoben. Wir fragen auch nach der Lebensgeschichte der
Patienten, beziehen das soziale Umfeld mit ein. Denn nur so lassen sich die
zahlreichen Belastungsfaktoren, die zum Burnout -Syndrom führen, angemessen
erfassen und behandeln. Als mögliche Auslöser für Burnout sind zu nennen: neue Arbeitsumstände wie Beförderung, Jobwechsel oder Umstrukturierungen in Unternehmen. Betroffen sind meist Menschen aus helfenden und sozialen Berufen, Ärzte, Krankenschwestern, Lehrer. Zur
Risikogruppe der Burnout -Gefährdeten
gehören auch die so genannten Kreativen und Manager. Nach einer gerade veröffentlichten
Untersuchung des Instituts für Arbeits- und Sozialhygiene in Karlsruhe leiden
25 Prozent der 2000 untersuchten Führungskräfte unter vegetativen Beschwerden:
Erschöpfung, Schlafstörungen, Depressionen. Und zwar so stark, dass sie
behandelt werden müssen. Einige
große Konzerne wie Lufthansa oder Volkswagen haben das Risiko erkannt und
bieten Antistressprogramme an, die ihre Mitarbeiter vor einem
Burnout schützen
sollen. Auch
Matthias Burisch, Psychologe an der Universität Hamburg, führt
Stressmanagement-Seminare für Firmenmitarbeiter durch - meist unter Titeln wie Energie
für den Alltag, denn über Burnout redet man nicht gerne. Solche
Seminare hätte sich auch der Richter manches Mal gewünscht, vor allem, als er
mit Strafrecht befasst war. "Man sieht Fotos von misshandelten Kindern,
aufgeschlitzten Kehlen, eingeschlagenen Schädeln. Und es interessiert keinen
Menschen, was das bei einem selbst auslöst." Viele flüchten sich in
Zynismus und reißen makabre Witze, um damit fertig zu werden. Burnout
-Symptome lassen sich oft lange Zeit verbergen. Die
meisten der Patienten kommen erst in einem fortgeschrittenen Stadium nach
Kassel. Viele haben von Kind an gelernt, nur über Leistung Anerkennung zu
finden. Und dabei den Blick auf sich selber verloren. In
der Habichtswaldklinik sollen die Patienten lernen, auf die Warnsignale des Körpers
zu achten, die sie jahrelang überhört haben; wieder Sensibilität für sich
selbst zu entwickeln. "Finde dich selbst" steht auf einer Tafel in den
Fluren. Gruppentherapie hilft den
Lernprozess zu beschleunigen, deshalb nehmen unsere Patienten an einer Gruppe
von 10-11 Personen teil. Innerhalb
dieser Gruppe redet der Richter zum ersten Mal mit fremden Menschen über seine
Krankheit. "Man kehrt hier sein Innerstes nach außen."
Eine
kurze Flucht in eine Fantasiewelt mindert Stress
Er
geht regelmäßig in die Imaginationstherapie. Dort lernt er, wie man Stress abbaut, indem
man sich in kritischen Situationen in eine Fantasiewelt versetzt. Die
intensivste Erfahrung macht er bei der Atemtherapie.
Durch tiefes, schnelles Atmen werden die Patienten in eine Art Trance versetzt.
„Man bekommt die Außenwelt noch mit, steuert seinen Willen aber nicht
mehr.“ Für einen Kopfmenschen wie den Richter, der alles über den Verstand
regeln will, eine ungewohnte Situation. „Da kommen Dinge hoch, die ganz tief
vergraben waren, meist sind das Kindheitserlebnisse.“ Unter
ganzheitlicher Behandlung verstehen
wir
☺
für den Körper
☺
für die Seele
☺
für den Geist Die
Psychotherapie besteht aus einer Kombination von modernen Therapiemethoden, die
für jeden Patienten individuell zusammengestellt werden.
Hauptelemente
sind
Das Ziel der Behandlung bei Burnout ist,
dass Sie um neue Wege zur Gesundung gehen zu können.
Was
kommt nach der Klinik? Die
meisten Patienten bleiben ca. sechs Wochen. Oft reicht die stationäre
Behandlung nicht aus. Schon während der Behandlung in der Habichtswaldklinik
besprechen wir mit den Patienten, wie es zuhause weiter gehen soll. Da
kann ambulante Psychotherapie hilfreich sein. Oder wünschenswerte Veränderungen
im beruflichen oder privaten Alltag. Ich hoffe, ich konnte Ihnen einen Einblick vermitteln, was man tun kann, wenn man sich ausgebrannt fühlt und nicht mehr weiter weiß. V Vielleicht
wissen Sie jetzt schon ein bisschen mehr wie es weiter gehen kann – und
vielleicht können wir Sie auch schon bald bei uns in der Habichtswaldklinik
begrüßen.
Mit den besten Wünschen für Ihre Gesundheit Ihr
Manfred
Sigwart
Zur Klärung weiterer medizinischer Fragen und Behandlungs- bzw. Therapiemöglichkeiten steht Ihnen unsere Chefärztin im persönlichen Gespräch gerne zur Verfügung. Bitte vereinbaren Sie zuvor einen Termin in unserer Privatambulanz.
Sagen Sie uns ruhig mal Ihre
Meinung! Sie möchten diesen Artikel ausdrucken? Markieren Sie den Text, gehen Sie in der Symbolleiste auf "Datei", dann auf "Drucken", danach "Markierung" anklicken und dann erst drucken, denn sonst verlieren Sie durch die nachfolgende Themenübersicht unnötiges Papier.
Weitere Fragen? Ihre Meinung?
Telefon +49 (0) 56 1 - 31 08- 305, 327, 179 oder - 523
Wigandstraße 1 · 34131 Kassel - Bad Wilhelmshöhe (Germany) Servicetelefon 0800 / 8 90 11 00 · Info-Fax 0800 / 7 32 73 80 Haftungshinweis: |